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Musik und psychoregulatives Training; Rehabilitation

Musik und psychoregulatives Training

Musik kann Emotionen wecken und verstärken, kann Erlebnisse in Erinnerung rufen sowie Stimmungen und Gefühlslagen ins Bewusstsein rücken. Was liegt also näher, als Musik im Rahmen des psychoregulativen Trainings zielorientiert einzusetzen.

Die Absicht besteht darin, Musik auf einen gesprochenen Text abzustimmen, sei es als Hintergrund zur Verstärkung der verbalen Botschaft oder als Einleitung zu den verschiedenen Aussagen. Dazu werden Text (Kommentar) und Musik auf eine CD abgemischt und der Athletin, dem Athleten für das sportpsychologische Training zur Verfügung gestellt. Die Bandbreite der Themen ist sehr umfassend:

  • Vorstartzustand: «Handling» der letzten halben Stunde vor dem Startsignal (am Beispiel Windsurfen): «Ich beobachte den Wind, stehe entspannt auf dem Brett, beobachte die andern Wettkampfteilnehmenden, ich atme tief und ruhig, ich bin bereit...».

  • Mentales Durchdenken eines virtuellen Postenlaufs mit antizipierten Entscheidungsabsichten (am Beispiel OL): «Am Start kontrolliere ich die Karte. Ich verlasse den Startpunkt erst, wenn Route und Konzept für den ersten Posten klar sind…».

  • Sich an das eigene Potenzial erinnern, Zuversicht und Selbstvertrauen gewinnen (am Beispiel Schwingen): «Du fühlst reine Energie, du bist optimal vorbereitet. Es geht los: Du bist bereit und vertraust dir!».

  • Flexibilität und Selbstvertrauen fördern (am Beispiel Skispringen): «Ich befreie meinen Geist von der Last der Gedanken, ich bin ganz bei mir, kann meine Stärken jederzeit abrufen...».

Die Herstellung einer «Mental-CD» läuft in folgenden Schritten ab:

  1. Gespräch zwischen der Athletin und dem SportpsychologenDas erste Gespräch dient zur Klärung der Absicht/Zielsetzung, der Festlegung der zu optimierenden Themen sowie dem Zuordnen verschiedener Musikstile und Musikstücke zu möglichen individuellen Empfindungen und Gefühlslagen.
  2. TextentwurfDer Sportpsychologe entwirft im Anschluss an das ausführliche Gespräch mit der Athletin einen ersten Textvorschlag und legt ihn zur Stellungnahme vor.
  3. Text sprechenNach der Bereinigung des Textes und der Klärung, wer welche Textteile spricht (Athletin selbst, Coach, Sportpsychologe), wird der Kommentar aufgenommen.
  4. Text mit Musik abmischenDer Text wird mit den ausgewählten und zugeordneten Musiksequenzen abgemischt und auf eine CD kopiert.

Peter Wüthrich

Rehabilitation

Die sportpsychologische Betreuung in der Rehabilitation von Verletzungen

Verschiedene Studien belegen, dass eine psychologisch unterstützte Rehabilitation die medizinische Heilung beschleunigen, den Wiedereinstieg in den Wettkampfalltag erleichtern und angstbedingten Leistungshemmungen oder gar vorzeitigen Karriereabbrüchen entgegenwirken kann. Bei einer schweren Verletzung werden Athletinnen und Athleten mit Geschehnissen konfrontiert, die meist über physische Aspekte hinausgehen - in den meisten Fällen verursachen sie ein Gefühl des Kontrollverlusts. Daher treten neben physischen oftmals auch psychische Probleme auf: Ängste um die sportliche Zukunft, Befürchtungen vor erneuten Verletzungen, Selbstzweifel, Motivationslosigkeit und Ähnliches mehr. Die Mehrheit der Athletinnen und Athleten vermag - mit günstiger Unterstützung des medizinischen, sportlichen und außersportlichen Umfelds sowie der Wahrnehmung des Rehabilitationsfortschritts - die erlebten negativen emotionalen Auswirkungen im Verlauf der Rehabilitation zu bewältigen.

Schwere Sportverletzungen können aber auch längerfristig massive negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden der Athletinnen und Athleten und damit gleichzeitig auch auf die Heilung der Verletzung haben. Dabei treten bei 10-20% der Verletzten sogar so genannt «extreme Reaktionen» auf, die vorwiegend den Bereich der Niedergeschlagenheit bzw. Depression betreffen - Fälle, in denen eine Überweisung an sportpsychologische Fachkräfte zwingend angebracht ist.

Spezielle mentale Trainingsprogramme ermöglichen es den rehabilitierenden Athletinnen und Athleten, aktiv handelnd am Rehabilitationsprozess teilzunehmen. Der Erwerb, die Festigung und Optimierung der dazugehörigen mentalen Fertigkeiten zur Handlungsregulierung erfolgen dabei - abgestimmt auf den medizinisch-physiotherapeutischen Rehabilitationsverlauf - in vier Phasen:

  1. In der Akutphase (erste Tage nach der Operation) wird dem Athleten durch Information ermöglicht, seine Verletzungssituation realistisch einzuschätzen und sich optimistisch darauf einzustellen.
  2. In der Phase der Rehabilitationsplanung wird zusammen mit der Physiotherapeutin eine ausführliche Zieldefinition sowie der individuelle Rehabilitationsplan erarbeitet und dem Athleten damit ein Gefühl der Mitverantwortlichkeit für das Gelingen der Rehabilitation vermittelt.
  3. In der anschließenden Phase der sportlichen Rehabilitation werden verschiedene psychologische Techniken - Entspannungsverfahren, Heilungsvisualisierungen, Visualisieren von Bewegungsabläufen, positive Selbstinstruktion, Schmerzmanagement - mit dem Sportpsychologen eingeübt und danach in die Physiotherapie übernommen, wobei die Übungen sukzessive an Komplexität zunehmen.
  4. In der Phase der Vorbereitung auf den Wettkampfalltag wird der konkrete Wiedereintritt in den sportlichen Alltag vorbereitet, wobei die vermittelten psychologischen Techniken nicht nur mögliche Ängste vor einer erneuten Verletzung abbauen, sondern ebenso eine spätere Leistungssteigerung ermöglichen.

Die Verletzungssituation bietet für jede Athletin und jeden Athleten die Chance, sich zusammen mit einem qualifizierten Sportpsychologen abseits der sportlichen Drucksituation auf sein «Comeback» vorzubereiten und nicht nur physisch, sondern auch psychisch stärker denn je in den Wettkampf zurückzukehren.

Christian Marcolli

MANFERDINI, Rinaldo et al.: Mentaltraining - Mentale Trainingsformen im Leistungssport; Magglingen/Macolin; S. 11ff

 

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